Statt Aktien oder Gold: Investieren in Wein

Was früher als exzentrisches Vergnügen der Reichen galt, ist mittlerweile im weinliebenden Mittelstand en vogue: Langfristige Kapitalbindung im Weinkeller oder in Weinfonds. In den letzten Jahren hat sich das durchaus bewährt. Aber für welchen Anlegertyp sind solche Anlagen geeignet, und sind sie auch zukunftssicher?

Professionelle Anleger lassen sich selbst von der Wirtschaftskrise nicht erschüttern: Gute Jahrgangsweine werden mit den Jahren immer besser – und steigern damit ihren Wert. Gerade die Anlegergruppe, die sonst mit Vorliebe in Bodenschätze und edle Metalle investiert, fühlt sich auch zum Investment in Weine hingezogen.

Weil Gold mittlerweile fast jeden Investor anspricht, und das zur Zeit auch mit gutem Grund, dessen Potential nach dem Urteil einiger aber bereits ausgeschöpft ist, erobern auch Weine neue Investorensegmente. Denn dieser Marktbereich zeigt ungeachtet eines Rückschlags 2008 eine jahrelange kontinuierliche Entwicklung. In der Zeit zwischen 2009 und 2011 sind die Preise guter Gewächse um sagenhafte hundert Prozent angestiegen, zur Freude vieler neuer Investoren, die in die bislang abgeschlossenen Kreise der Weininvestoren vorgestoßen waren.

Bereits 1985 glaubte man sich am Gipfel des Marktpotentials, als im Auktionshaus Christie’s (London) eine Flasche Lafite-Rothschild Jg. 1787, die angeblich aus dem Weinvorrat von Präsident Thomas Jefferson stammte, für die damals unvorstellbare Summe von über 200.000 USD ersteigert wurde. Es reicht natürlich auch ein kleineres Budget, um renditestarke und werthaltige Weine einlagern zu können. Weinexperten empfehlen, junge und namhafte Bordeuxs im Preisbereich zwischen 50 und 300 Euro pro Flasche zu kaufen und fünf bis zehn Jahre zu lagern.

Die Rendite übertrifft nach bisherigen Erfahrungen die des Aktienmarktes deutlich. Als Beispiel wird immer wieder der Preis einer Kiste Chateau Lafite 1982 genannt, der innerhalb von 25 Jahren von 325 auf 25.000 GBP wuchs. Das ist natürlich nicht immer so, aber immerhin möglich. Zwingend sollte ein Käufer sich in der Vorbereitung über Marke, Jahrgang, Reife und Bewertungen informieren. Auch das Weingut sollte im Kreis der Spitzenwinzer vertreten sein. Von den weltweit hunderttausenden Weinbaubetrieben mit einem Ausstoß von 35 Mrd Flaschen jährlich produzieren gerade 250 Winzer Investmentweine. I

m Rahmen einer Studie über Wein als Wertanlage wurde nachgewiesen, dass diese Art der alternativen Geldanlage weniger volatil und damit wertbeständiger ist als konventionelle Anlageformen, und das bei gleichzeitig höheren Renditechancen. Gerade Sammlerweine erholten sich von den Rückschlägen der Wirtschaftskrise schneller als andere Assetklassen. Der diesen Markt abbildende Liv-ex Fine Wine Index erreicht sogar seit dem Krisenjahr 2008 regelmäßig Höchststände. Über drei Milliarden USD beträgt der Umsatz im Segment “Fine Wine”, dessen Marktzentrum derzeit London ist. Weiters rasantes Wachstum verspricht sich die Branche vom gerade erst erwachenden Interesse in China, in dem ein Engagement in westlich inspirierter Weinkultur zusammen mit dem Besitz eines deutschen Luxusautos zu den Statussymbolen der neuen Unternehmensführer zählt.